Anthologieausschreibung Heimat: Allgäu, Schwarzwald, Alb

Anthologieausschreibung Heimat: Allgäu, Schwarzwald, Alb

Heimat hat selten nur eine Adresse. Sie steckt im ersten Blick auf die Berge, im Duft einer Backstube, in einem Dialektwort, das außerhalb des Dorfs niemand kennt. Sie kann aber auch ein Ort sein, den man verlassen hat und in Gedanken immer wieder besucht. Die Anthologieausschreibung Heimat erleben, Geschichten erzählen - Allgäu, Bodensee, Schwarzwald und Schwäbische Alb gibt diesen persönlichen Perspektiven einen Platz im Buch - als erzählte, erinnerte, beobachtete und neu entdeckte Heimat. Und: Es ist nicht das erste Buch zu diesem Thema, denn Anfang 2026 erschien bereits ein Band, den Sie hier entdecken können.

Gesucht für den zweiten Band sind Texte, die nicht aus dem Reiseführer stammen könnten, sondern aus dem Leben. Vielleicht führt Ihre Geschichte über eine stille Wanderung auf der Schwäbischen Alb, einen Sommer bei den Großeltern im Allgäu oder einen ganz gewöhnlichen Nachmittag im Schwarzwald, der im Rückblick besonders wird. Heimatliteratur darf dabei heiter, nachdenklich, spannend, poetisch oder auch überraschend unbequem sein. Denn Heimat ist nicht für alle Menschen gleich. Die aktuelle Ausschreibung finden Sie hier.

Heimat erleben: Allgäu, Schwarzwald und Schwäbische Alb

Die drei Regionen bieten weit mehr als ihre bekannten Bilder. Natürlich dürfen Almen, Kuckucksuhren, Wacholderheiden, Fachwerkhäuser, Schluchten und Bergpanoramen vorkommen. Besonders lebendig wird ein Text jedoch dort, wo ein Ort eine Bedeutung erhält: durch einen Menschen, ein Erlebnis, einen Konflikt oder eine Erinnerung.

Im Allgäu kann das der Bus sein, der frühmorgens durch ein noch verschlafenes Tal fährt. Im Schwarzwald vielleicht die Geschichte einer Familie, deren Alltag vom Tourismus, von Handwerk oder Landwirtschaft geprägt ist. Auf der Schwäbischen Alb kann eine Burgruine zum Ausgangspunkt für eine Kindheitserinnerung, eine Begegnung oder ein kleines Geheimnis werden. Schreiben Sie nicht nur, wie eine Landschaft aussieht. Zeigen Sie, was sie mit Ihren Figuren oder mit Ihnen selbst macht.

Gerade darin liegt der Reiz einer regionalen Anthologie: Viele Stimmen ergeben kein einheitliches Heimatbild, sondern ein vielstimmiges Buch. Alteingesessene und Zugezogene, junge Schreibende und erfahrene Autorinnen und Autoren, Menschen mit Fernweh und Menschen mit Heimweh können nebeneinander erzählen. So entsteht Nähe, ohne dass alle dieselbe Geschichte teilen müssen.

Welche Texte passen zur Anthologieausschreibung?

Ein gelungenes Thema muss nicht immer groß sein. Oft bleibt eine kleine Szene besonders lange im Gedächtnis: das Gespräch am Gartenzaun, ein verlorener Schlüssel auf dem Wanderweg, die letzte Fahrt mit der vertrauten Regionalbahn oder der Moment, in dem ein Kind zum ersten Mal merkt, dass Erwachsene nicht alles wissen.

Für diese Anthologie eignen sich Erzählungen, Kurzgeschichten, autobiografisch geprägte Texte und literarische Momentaufnahmen. Auch Gedichte können eine Region in wenigen Zeilen fühlbar machen, wenn sie mehr transportieren als reine Kulisse. Entscheidend ist, dass der Text eine eigene Stimme hat und der regionale Bezug nicht beliebig austauschbar wirkt.

Heimat darf dabei freundlich erscheinen, sie darf aber ebenso widersprüchlich sein. Wer sich fremd im eigenen Herkunftsort gefühlt hat, wer nach Jahren zurückkehrt oder wer zwischen mehreren Heimaten lebt, bringt eine wertvolle Perspektive mit. Ein Text muss seine Region nicht loben, um ihr verbunden zu sein. Ehrlichkeit macht Literatur glaubwürdig.

Vom Ortsnamen zur Szene

Nennen Sie einen Ort nicht nur, damit der regionale Bezug erfüllt ist. Fragen Sie sich lieber: Was würde fehlen, wenn diese Geschichte irgendwo anders spielte? Vielleicht ist es das besondere Wetter am Albtrauf, die Sprache einer Figur, ein Brauch im Dorf oder der Rhythmus einer Ferienregion zwischen Hauptsaison und ruhigen Monaten.

Statt zu schreiben, dass der Schwarzwald wunderschön ist, lassen Sie Ihre Leserschaft einen nassen Waldweg hören, das Harz riechen oder die Anspannung einer Figur spüren, die im Nebel die Orientierung verliert. Statt das Allgäu als idyllisch zu beschreiben, erzählen Sie von der Arbeit, die hinter einer gepflegten Wiese steht. Konkrete Wahrnehmungen schaffen Bilder, die bleiben.

So findet Ihre Geschichte ihren Anfang

Viele gute Texte beginnen nicht mit der Landschaft, sondern mit einer Frage. Wer wartet am Bahnhof? Warum kehrt jemand nach Jahren in den Heimatort zurück? Was wird in einer Familie nie ausgesprochen? Was entdeckt ein Kind auf einem Ausflug, das Erwachsene übersehen?

Ein klarer Einstieg hilft, Ihre Leserschaft sofort mitzunehmen. Beginnen Sie mitten in einer Handlung, mit einem Satz aus einem Gespräch oder mit einem Detail, das neugierig macht. Danach darf die Region nach und nach sichtbar werden. Auf diese Weise bleibt sie nicht Hintergrund, sondern wird Teil der Erzählung.

Achten Sie beim Überarbeiten darauf, ob jeder Abschnitt etwas beiträgt. Streichen Sie Erklärungen, die eine Szene bereits zeigt. Lesen Sie Ihren Text laut vor: Klingt er nach Ihnen? Gibt es Stellen, an denen ein präziseres Wort, ein stärkeres Bild oder eine kürzere Formulierung die Geschichte klarer macht? Gerade bei kurzen Texten zählt jeder Satz.

Cover des neuen Buches Heimat erleben
Das Cover des zweiten Bandes.

Mit einer Einreichung Teil eines Buchprojekts werden

Eine Anthologie lebt von Auswahl, Zusammenstellung und dem Gespräch unterschiedlicher Texte miteinander. Wer sich an einer Ausschreibung beteiligt, reicht daher nicht einfach einen einzelnen Beitrag ein, sondern wird Teil eines gemeinsamen literarischen Projekts. Das ist eine schöne Chance für Menschen, die erstmals veröffentlichen möchten, ebenso wie für Schreibende, die ihre Stimme in einer thematischen Sammlung zeigen wollen.

Bei Papierfresserchens MTM-Verlag gehören Anthologien seit vielen Jahren zum Programm. Die Erfahrung aus zahlreichen Projekten zeigt: Besonders berührend sind oft Texte, die ihren Gegenstand genau kennen und trotzdem offen bleiben. Sie müssen nicht in einer der drei Regionen geboren sein, um darüber zu schreiben. Entscheidend ist Ihre glaubwürdige Verbindung - durch Alltag, Familie, Reisen, Freundschaften, Kindheit oder einen Ort, der Ihnen zur Heimat geworden ist.

Lesen Sie die jeweiligen Teilnahmebedingungen vor dem Einsenden sorgfältig. Dort finden Sie die verbindlichen Angaben zu Thema, Textumfang, Einsendeschluss und Einreichungsweg. Reichen Sie nur einen Text ein, hinter dem Sie wirklich stehen. Ein sorgfältig überarbeiteter Beitrag ist meist stärker als mehrere schnelle Entwürfe.

Heimat braucht Ihre Stimme

Allgäu, Schwarzwald und Schwäbische Alb sind keine Postkartenmotive, die längst auserzählt wären. Sie verändern sich mit den Menschen, die dort leben, mit denen, die fortgehen, und mit denen, die neu ankommen. Jede Erinnerung fügt dem bekannten Bild eine weitere Farbe hinzu.

Vielleicht liegt Ihre Geschichte bereits in einem Notizbuch. Vielleicht beginnt sie erst mit einem Geräusch, einem Geruch oder einem Satz, den Sie aus Ihrer Kindheit kennen. Schreiben Sie ihn auf. Aus einem kleinen, wahrhaftigen Moment kann eine Geschichte werden, in der andere Leserinnen und Leser auch ein Stück ihrer eigenen Heimat wiederfinden. Und: Nutzen Sie die Gelegenheit, sich als heimische/r Autor*in der Region mit Ihren Texten vorzustellen. Denn auch das ist möglich, auch wenn sie keine Regionalgeschichten schreiben, sondern "nur" in der Region leben.

 

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