Anthologieausschreibung Worte aus dem Jenseits

Anthologieausschreibung Worte aus dem Jenseits

Manchmal beginnt eine Geschichte mit einem Geräusch im leeren Haus. Mit einem Foto, das plötzlich eine Frage stellt. Mit einem Satz, der einem im Traum gesagt wurde und am Morgen nicht mehr loslässt. Die Anthologieausschreibung Worte aus dem Jenseits bietet Raum für genau diese Momente: für Texte über das Unbegreifliche, über Erinnerung, Abschied, Hoffnung und die feine Grenze zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir nur spüren.

Dabei muss Ihre Geschichte weder laut noch spektakulär sein. Gerade eine leise Begegnung, eine unerwartete Nachricht oder ein Gegenstand mit Vergangenheit kann einen starken literarischen Kern bilden. Gesucht sind Stimmen, die das Jenseits nicht als bloßen Schreckensort behandeln, sondern als Thema mit vielen Facetten. Willst du dir dazu einen Überblick verschaffen - es gibt bereits einen Band dazu. Den findest du hier.

Anthologieausschreibung Worte aus dem Jenseits: Raum für Ihre Idee

Was liegt eigentlich „jenseits“? Für manche Schreibende ist es die Welt der Geister und unruhigen Seelen. Andere denken an Menschen, die nicht mehr da sind, deren Worte aber weiterwirken. Wieder andere erzählen von Träumen, Vorahnungen, Familiengeheimnissen oder einer Tür, die sich besser nie geöffnet hätte.

Diese Offenheit ist eine besondere Chance. Sie können eine klassische Schauergeschichte schreiben, eine fantastische Erzählung, eine berührende Erinnerung oder einen Text, der bewusst mit der Frage spielt, ob überhaupt etwas Übernatürliches geschehen ist. Ein Kind hört nachts Schritte auf dem Dachboden. Eine alte Dame erhält Briefe in einer Handschrift, die sie nur zu gut kennt. Ein junger Mann reist an den Ort seiner Kindheit zurück und entdeckt, dass manche Versprechen länger leben als die Menschen, die sie gegeben haben.

Entscheidend ist nicht, ob Ihre Geschichte alle Rätsel erklärt. Entscheidend ist, dass sie etwas auslöst. Sie darf Gänsehaut machen, traurig stimmen, trösten oder irritieren. Sie darf auch ein Lächeln hinterlassen. Denn das Jenseits kann düster sein, muss es aber nicht.

Eine starke Geschichte braucht einen klaren Mittelpunkt

Bei einem so weiten Thema liegt die Versuchung nahe, möglichst viele geheimnisvolle Ideen in einen Text zu packen. Doch ein guter Anthologiebeitrag gewinnt meist, wenn er sich auf einen zentralen Moment konzentriert. Fragen Sie sich: Was verändert sich für meine Hauptfigur? Welche Begegnung, Entdeckung oder Erinnerung lässt sie nicht mehr los?

Beginnen Sie möglichst nah an dieser Veränderung. Statt zunächst über mehrere Seiten die Geschichte eines Hauses zu erklären, könnte Ihre Erzählung mit dem Augenblick starten, in dem die Figur zum ersten Mal eine Stimme aus dem verschlossenen Zimmer hört. Hintergrund und Vorgeschichte dürfen dann nach und nach sichtbar werden.

Auch die Perspektive bestimmt die Wirkung. Eine Ich-Erzählung kann besonders unmittelbar sein, wenn die lesende Person jede Unsicherheit miterlebt: War das wirklich eine Berührung? Habe ich diese Stimme tatsächlich gehört? Eine personale Erzählweise schafft dagegen Abstand und erlaubt es, das Geschehen von außen zu betrachten. Bei humorvolleren oder märchenhaften Stoffen kann sogar eine ungewöhnliche Erzählerstimme reizvoll sein - vielleicht erzählt ein Geist selbst, der sich über die Lebenden wundert.

Das Unausgesprochene darf bleiben

Nicht jedes Geheimnis braucht am Ende eine Erklärung. Oft bleibt eine Geschichte länger im Gedächtnis, wenn sie eine kleine Lücke offenlässt. Der Schatten im Flur könnte eine Täuschung gewesen sein. Der Brief könnte von einem Menschen stammen, der mehr weiß, als er verrät. Oder vielleicht gibt es eben doch Dinge, für die unsere gewohnten Antworten nicht reichen.

Das bedeutet nicht, dass der Text beliebig enden sollte. Ein offenes Ende braucht trotzdem eine innere Bewegung. Die Hauptfigur hat etwas verstanden, sich entschieden oder ist zumindest nicht mehr dieselbe wie zu Beginn. So entsteht ein Schluss, der nachklingt, statt einfach abzubrechen.

Zwischen Grusel, Trauer und Trost den richtigen Ton finden

„Worte aus dem Jenseits“ kann viele Gefühle tragen. Wer Spannung erzeugen möchte, arbeitet mit präzisen Details: dem kalten Luftzug im Sommer, dem Licht im Fenster eines verlassenen Hauses, dem vertrauten Duft an einem Ort, an dem niemand sein dürfte. Wenige gut gewählte Beobachtungen wirken oft stärker als eine lange Reihe dramatischer Ausrufe.

Wenn Ihr Text von Verlust und Erinnerung handelt, darf er behutsam sein. Trauer wird glaubwürdig, wenn sie konkret wird: in einer ungesendeten Nachricht, einem Lieblingslied, einer Tasse im Küchenschrank oder einem Satz, den man früher überhört hat. Vermeiden Sie es, Gefühle nur zu benennen. Zeigen Sie lieber, was eine Figur tut, nicht tut oder nicht sagen kann.

Und wenn Sie Humor einbringen möchten, ist auch das möglich. Eine freundliche Spukgeschichte, eine schrullige Erscheinung oder ein Geist mit sehr alltäglichen Sorgen kann das Thema auf überraschende Weise öffnen. Wichtig bleibt der respektvolle Umgang mit Figuren und ihren Erfahrungen. Besonders bei Abschied, Tod und persönlichen Erinnerungen lohnt es sich, den Text nach dem ersten Entwurf mit etwas Abstand noch einmal zu lesen.

So wird aus dem Entwurf ein einreichungsreifer Text

Lassen Sie Ihre Geschichte nach dem Schreiben ruhen. Schon ein oder zwei Tage Abstand helfen, Wiederholungen, unklare Sprünge und Stellen zu erkennen, an denen der Text noch nicht das sagt, was Sie meinen. Lesen Sie ihn anschließend laut. Stolpern Sie beim Vorlesen über einen Satz, werden Leserinnen und Leser dort oft ebenfalls langsamer werden.

Achten Sie beim Überarbeiten besonders auf den Anfang, die Übergänge und den Schluss. Der Einstieg soll neugierig machen, ohne alles vorwegzunehmen. Übergänge sorgen dafür, dass Orts- oder Zeitsprünge nachvollziehbar bleiben. Der Schluss sollte die Geschichte nicht zwingend abschließen, aber ihr eine Form geben.

Prüfen Sie außerdem sorgfältig die Teilnahmebedingungen der jeweiligen Ausschreibung. Dazu gehören unter anderem gewünschte Textlänge, Einsendeschluss, Formatvorgaben und die Frage, ob ein Text bislang unveröffentlicht sein soll. Solche Vorgaben sind kein Hindernis für Kreativität. Sie schaffen den gemeinsamen Rahmen, aus dem ein vielfältiger, gut lesbarer Sammelband entstehen kann.

Bei Papierfresserchens MTM-Verlag entstehen Anthologien aus vielen einzelnen Handschriften und Perspektiven. Jede ausgewählte Geschichte bringt ihre eigene Stimmung mit und wird Teil eines Buches, das ohne die beteiligten Autorinnen und Autoren nicht denkbar wäre. Gerade das macht den Reiz einer Ausschreibung aus: Ihre Idee steht nicht allein, sondern findet ihren Platz in einem größeren literarischen Gespräch.

Geben Sie Ihrer Stimme einen Anfang

Vielleicht haben Sie bereits eine Szene im Kopf. Vielleicht kennen Sie nur ein Bild: einen leeren Stuhl, einen Namen auf einer alten Postkarte, eine Gestalt am Rand eines Traums. Warten Sie nicht darauf, dass daraus sofort eine vollständige Geschichte wird. Schreiben Sie zunächst diesen einen Moment auf. Wer die erste Stimme hört, darf ihr folgen - Satz für Satz, bis aus einer Ahnung eine Geschichte geworden ist.

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